Aegis Fonds Class-C: Hilfe für Anleger

vom 17. Juli 2007

Anfang des Jahres 2007 erhielten die Anleger des

„Aegis-Fund Class-C“ eine so genannte „Adhoc-Mitteilung“. Die Anleger der Fondsgesellschaft konnten dem Schreiben entnehmen, dass Auszahlungen derzeit nicht mehr vorgenommen werden können, weil eine vergleichsweise geringe Forderung von 1,5 Mio Euro der Fondsgesellschaft gegen eine Bauträgergesellschaft aus Berlin nicht bedient wurde.

Aktuell heißt es auf der Homepage AegisFund.net über den Aegis-Fund Class-C, dieser sei geschlossen und werde zum 31.03.2007 an die Investoren ausbezahlt. Hierfür sollte dann nach weiteren Mitteilungen der Fondsgesellschaft pro Anteil ein Preis von 17,87 Euro ausgezahlt werden. Ende Dezember 2006 sollte sich der Anteilswert noch auf 145,21 Euro belaufen haben (www.faz.net).

Viele Anleger sind verunsichert, was jetzt zu tun ist. Dies ist auch kein Wunder: Nach den bisherigen Erkenntnissen scheinen die Gelder der Anleger in einem undurchsichtigen Firmengeflecht ausländischer Anbieter versickert zu sein. Die Ungereimtheiten des Angebotes „Aegis Class-C“ beginnen bereits bei der Ermittlung einer Firmenanschrift. So heißt es an einigen Stellen, unter anderem im Emissionsprospekt, die Firma habe einen Sitz auf den Bahamas. Allerdings befindet sich dort bloß eine „c/o“ Adresse bzw. ein Briefkasten. Auch die Kontakt – Adresse in Deutschland besteht aus einer Postfachadresse, ebenso die offizielle Firmenanschrift in Griechenland. Der Direktor des Fonds ist offensichtlich gebürtiger Grieche.

Darüber hinaus sind keinerlei Angaben zur Größe des Fonds bzw. zur Menge der eingezahlten Gelder erhältlich. Wie der von der Fondsgesellschaft mitgeteilte Kurswert von 17,00 bzw. 142,00 Euro sich ermittelt, kann ebenfalls nicht nachvollzogen werden. Ein Handel von irgendwelchen Wertpapieren an Europäischen Börsen fand jedenfalls nicht statt. Nach den Angaben im Emissionsprospekt ist vielmehr davon auszugehen, dass die Anleger des Aegis-Fund sich nicht als Wertpapierinhaber mit frei handelbaren Papieren an dem Fonds beteiligt haben, sondern im Wege einer gesellschaftsrechtlichen Beteiligung.

Der Emissionsprospekt des Jahres 2001 enthält nahezu keinerlei Angaben zur Rechtsbeziehung zwischen Anleger und Fondsgesellschaft, so dass mangels entsprechenden Vertragswerks wohl von den gesetzlichen Regelungen auszugehen ist. Diese dürften einer stillen Beteiligung entsprechen.

Die Fondsgesellschaft teilt nicht mit, zu welchem Aktenzeichen gegen wen vor dem Landgericht Berlin angeblich auf die 1,5 Mio Euro aus einer Schuldverschreibung geklagt wird. Es erscheint schon unwahrscheinlich, dass eine verhältnismäßig geringe Forderung von 1,5 Mio Euro einen seit Anfang der 90iger Jahre erfolgreich auf dem Markt tätigen Fonds dazu bringt, geschlossen zu werden. Dies gilt selbst dann, wenn die Gelder des Fonds, wie zwischenzeitlich verlautete, zu einem Großteil durch Spekulationsgeschäfte auf Erdgas aus unsicheren Exportgebieten der ehemaligen GUS herrühren sollte. Möglich erscheint auch, dass durch die Einstellung des Vertriebs der Kapitalanlage von Seiten einiger Vertriebsgesellschaften zum 01.01.2005 hier schlichtweg frisches Kapital fehlte und insoweit der Fonds deswegen schließen musste. Dies würde aber nahelegen, dass hier ein lupenreines Schneeballsystem aufgebaut worden wäre. Nachprüfbare Bilanzen liegen jedenfalls derzeit noch nicht vor.

Für die Anleger stellt sich die Frage, was zu tun ist. Anhand der oben beschriebenen Unsicherheiten wäre vielleicht daran zu denken, eine außerordentliche Kündigung der Beteiligungsverhältnisse mit dem Aegis Fund Ltd. zu erklären. Hierbei stellt sich nun die Frage, wem gegenüber? Eine ordnungsgemäße und zustellfähige Anschrift lässt sich jedenfalls in Deutschem Hoheitsgebiet nicht ermitteln. Ob eine Kündigung, gerichtet an den Empfänger auf den Bahamas, jemals ihr Ziel erreichen wird und dies dokumentiert werden kann, erscheint ebenfalls offen. Das gleiche gilt selbstverständlich für den logischen zweiten Schritt, nämlich die Einreichung einer Klage. Wer soll überhaupt verklagt werden?

Sinnvoller erscheint es dagegen, den jeweiligen Vertrieb der Kapitalanlage eventuell in die Haftung zu nehmen. Die Beteiligung Aegis Class-C ist als sicher verkauft worden, wobei die entsprechenden überreichten und auch heute noch im Internet abrufbaren Charts des Fonds von einem stetigen Wachstum über Jahre hinweg von 8 bis 10 % ausgingen. Dies kann dazu geführt haben, dass Vertriebe die Plausibilität der Kapitalanlage anhand des kaum mehr als dürftig zu nennenden Prospektes nicht hinreichend gründlich untersucht haben. Hierzu wäre ein Kapitalanleger jedoch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes verpflichtet gewesen.

Die Aufklärung der Aegis Class-C-Affäre steht noch ganz am Anfang.

Wir werden weiter berichten.

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Über RA Christian Röhlke

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