ALBIS FINANCE hat Liquiditätsprobleme

vom 22. April 2010

Auszahlung der Auseinandersetzungsguthaben nur in Raten möglich

Die ALBIS Finance AG, 1999 gegründet unter dem Namen NordLease AG und später umfirmiert, bringt nun kurz nach ihrem 10jährigen Bestehen die ersten Beteiligungen zur Auszahlung. Das Ergebnis ist ernüchternd für die Anleger:

Eine Anlegerin, deren Auseinandersetzungsguthaben nach 10 Jahren um über 30 Prozent niedriger liegt, als die eingezahlten Beträge. Von einer positive Rendite, wie sie bei Unterzeichnung der Verträge in Aussicht gestellt wurde, ist keine Rede. Der Berliner Rechtsanwalt Röhlke, der die Anlegerin vertritt, ist nicht überrascht: „Dieser Auszahlungsstand entspricht unseren Erfahrungen. Wir haben einmal durchgerechnet, wie sich die enormen Emissionskosten in Höhe von 20 Prozent des Zeichnungsvolumens und die hohen laufenden Kosten auf die Kapitalanlage auswirken. Nach unseren Berechnungen ist das von der Albis nunmehr vorgelegte Ergebnis ganz und gar nicht erstaunlich. Im Gegenteil, es erscheint nur folgerichtig bei diesem vollkommen überteuerten Produkt.“

Doch wer jetzt denkt, der Anleger bekomme so leicht knapp zwei Drittel der von ihm eingezahlten Gelder zurück, der irrt. Denn die Albis beruft sich nun auf eine Klausel in ihrem Vertragswerk. Diese erlaubt der Albis bei Liquiditätsproblemen, das Auseinandersetzungsguthaben in Raten zurückzuzahlen. Ein solcher Liquiditätsengpass sei nun aufgetreten. Die Albis beruft sich auf Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Wahrscheinlicher ist aber, dass das Konzept des Fonds aufgrund der gewaltigen Kostenlast nicht funktionierte.

Rechtsanwalt Röhlke hierzu: „Es ist das altbekannte Muster der Fonds aus der Rothmann-Familie: Die Fonds dümpeln vor sich hin und am Ende ist kein Geld mehr da. Anleger stecken ihre Hoffnungen in das Anlageprodukt und bekommen am Ende ein Abfindungsguthaben präsentiert, dass mit den ursprünglichen Prognosen nichts mehr zu tun hat.“

Wie jetzt berichtet wird, wird Anlegern der Albis Finance von einem Konzernunternehmen der ALBIS-Gruppe angeboten, alle Ansprüche zu einem geringen Preis, der normalerweise knapp über dem Auszahlungsbetrag liegt abzukaufen. Das erinnert stark an die Vorgänge im Zusammenhang mit der OIL/OWL Leasing und der Firma Menteny GmbH. Auch dort wurde den Anlegern ein Vergleich angeboten, der für die ALBIS-Gruppe und deren Vertrieb durch Übernahme sämtlicher Rechte der Anleger gewährleistete, dass die Anleger keine Schadenersatzansprüche mehr gegen den Vertrieb und die Gesellschaft geltend machen konnten.

Anlegern wird geraten, solche Angebote anwaltlich prüfen zu lassen.

Anleger, deren Beteiligung noch läuft, sollten prüfen, ob sie über die hohe Kostenbelastung des Fonds richtig aufgeklärt wurden. Rechtsanwalt Röhlke: „Vielen meiner Mandanten wurde erzählt, die Anlage sei zur Altersvorsorge geeignet. Eine derartige Unternehmensbeteiligung taugt hierzu allerdings kaum. Es gibt aber verschiedene rechtliche Möglichkeiten, gegen die ALBIS vorzugehen. Wie gut die Aussichten sind, kann man aber nur bei einer Prüfung des Einzelfalles bewerten.“

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Über RA Christian Röhlke

Röhlke Rechtsanwälte haben ihre Kernkompetenz im Bereich des Kapitalanlagenrechts und der angrenzenden Gebiete des Zivilrechts, insbesondere im Handels- und Gesellschaftsrecht. Kapitalanlagenrecht Hauptsächlich werden Anleger im Bereich unrentabler stille Beteiligungen oder steuerbegünstigter Immobilienfonds betreut. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Kleinverdienern, denen vermietete Eigentumswohnungen zur Altersvorsorge als "Immobilienrente" schmackhaft gemacht wurden. Handelsrecht Ein wesentlicher Tätigkeitsschwerpunkt ist auch das Recht der Handelsvertreter, die Regelungen über Provisionen, Buchauszüge, Wettbewerbsverbote etc.