Global Real Estate: Titelmißbrauch bei Aufsichtsrat

vom 13. März 2008

Unklarheiten über Herkunft des Doktortitels

Erfahrung und Kompetenz des Vorstandes und Aufsichtsrates der GRE AG – unter dieser Überschrift stellt der Emissionsprospekt der Anlagefirma aus dem sächsischen Steinpleis die fachlichen Stärken der Herren Frank André Audilet, Vorstandsvorsitzendem, und Dr.-Ing. Peter Frank Audilet, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates heraus. Der Vorstandsvorsitzende habe zunächst die Wirtschaftsschule abgeschlossen und dann die Fachoberschule Augsburg in der Fachrichtung Technik abgeschlossen. Über Ob und Wie eines Abschlusses des dann begonnenen Studiums der Architektur und der Bauingenieurslehre schweigt der Prospekt. Nichtsdestoweniger schmückt sich 4 Jahre später Herr Audilet mit dem Titel eines „Prof. Dr. h.c.“ der mexikanischen „Universidad del Golfo“, einem Institut, welches ausweislich des Sachbuchs „Die Doktormacher“ von Horst Biallo in Verdacht steht, derartige Titel zu verscherbeln. Zumindest erlaubt ist das Tragen derartiger „Ehren“ – Titel, wenn der Name der verleihenden Universität genannt wird.

Nicht erlaubt ist dagegen die Führung eines ehrenhalber verliehenen Doktortitels einer ausländischen Universität, wenn der Zusatz „h.c.“ und der Name der Universität verschwiegen wird. Das Gesetz sieht hierfür eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. Eine solche in Höhe von 2.100,00 € wurde gegen den angeblichen „Dr.“-Ing. (Prospekt 2001) bzw. „Dr.“ Dipl.-Ing. (Prospekt 2005) Peter Frank Audilet, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der GRE AG, im Frühling 2006 verhängt. Denn die Staatsanwaltschaft in Zwickau sah es als erwiesen an, das der angebliche Doktortitel ihm von einer ausländischen Universität nur ehrenhalber, also honoris causa verliehen wurde. Den Zusatz h.c. hatte die GRE AG aber weder in den Prospekten noch im Internet erwähnt. Im Jahresabschluß 2006 ist der Doktortitel des Herrn Audilet dagegen nicht mehr erwähnt.

Der Prospekt 2001 stellt die Umstände der Erlangung der Doktorwürde sogar ganz anders dar. Dort heißt es, Herr Peter Frank Audilet habe in München Hochbau und Architektur studiert, mit Diplom abgeschlossen, und anschließend „an der ETH Zürich…promoviert im Fach Ingenieurwissenschaften“. Demnach stammt der Doktortitel nicht aus einem Verfahren ehrenhalber, sondern ist das Ergebnis einer akademischen Prüfung – der Promotion. Irritierend ist dabei nur, das nach Auskunft der ETH Zürich Herr Audilet niemals dort einen Doktortitel erworben hat, was ja auch der Darstellung des Jahresabschlusses 2006 entspricht, wo gar kein Doktortitel mehr erwähnt wird.

„Normaler Weise ist der Spott von Geschäftspartnern und Golfplatzkumpels Strafe genug für solche Profilneurotiker – das für den wertlosen Titel gezahlte Honorar nicht zu vergessen . Hier halte ich es aber für besonders verwerflich, mit dem angeblichen Doktortitel im Prospekt noch auf Anlegerfang zu gehen“, meint der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke. „Schließlich geht es hier um eine Vertrauensinvestition des Anlegers.“

Und da könne der Anleger erwarten, reinen Wein über die akademische Vorbildung der handelnden Personen des Vertragspartners eingeschenkt zu bekommen.

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Über RA Christian Röhlke

Röhlke Rechtsanwälte haben ihre Kernkompetenz im Bereich des Kapitalanlagenrechts und der angrenzenden Gebiete des Zivilrechts, insbesondere im Handels- und Gesellschaftsrecht. Kapitalanlagenrecht Hauptsächlich werden Anleger im Bereich unrentabler stille Beteiligungen oder steuerbegünstigter Immobilienfonds betreut. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Kleinverdienern, denen vermietete Eigentumswohnungen zur Altersvorsorge als "Immobilienrente" schmackhaft gemacht wurden. Handelsrecht Ein wesentlicher Tätigkeitsschwerpunkt ist auch das Recht der Handelsvertreter, die Regelungen über Provisionen, Buchauszüge, Wettbewerbsverbote etc.