GRE AG: Insolvenzverfahren beantragt

vom 9. November 2011

Anleger müssen sich auf Verluste einstellen

Mit Beschluss vom 7. November 2011 hat das Amtsgericht München auf Eigenantrag hin das vorläufige Insolvenzverfahren über das Vermögen der GRE Global Real Estate AG angeordnet (AZ 1507 IN 3929/11). Damit zieht Vorstand Prof. Dr. h. c. (Univ. del Golfo, Mexico) Frank André Audilet die Konsequenzen aus der Masse verloren gegangener Gerichtsverfahren der letzten Monate. Welche Ansprüche die enttäuschten Anleger jetzt noch geltend machen können, ist derzeit offen.

Der Eigeninsolvenzantrag ist der vorläufige Schlusspunkt einer desaströsen Geschäftsentwicklung der ehemals sächsischen Anbieterin atypisch stiller Beteiligungen. Die GRE Global Real Estate AG war 2001 an das Publikum heran getreten mit dem Angebot, 50 Mio. EUR im Wege der Ausgabe atypisch stiller Beteiligungen bis 2004 einzusammeln. Tatsächlich wurde die Emission Mitte 2007 bei einem Zeichnungsstand von 38 Mio. EUR beendet. Bis Ende des Geschäftsjahres 2009 war hiervon ungefähr die Hälfte auch tatsächlich eingezahlt. „Dieser hohen Summe an eingesammelten Anlegergeld stehen allerdings kaum werthaltige Investitionsobjekte gegenüber“, meint der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke, der eine Vielzahl geschädigter GRE Anleger betreut und mehrere Dutzend Schadensersatzprozesse gegen die GRE und ihre Verantwortlichen für seine Mandanten gewonnen hat. Er weist daraufhin, dass das Oberlandesgericht Dresden die geringe Investitionsquote bereits in einem Gerichtsbeschluss bemängelt hat und dass die Investitionen der GRE AG tatsächlich zu einem Großteil nicht aus dem Geld der Anleger erfolgt sind, sondern durch Bankdarlehen finanziert wurden. Die Vermögenswerte der GRE AG werden somit im Insolvenzverfahren wohl voraussichtlich zu Gunsten der Banken verwertet.

Dabei hatte die GRE AG in den Emissionsprospekten stets von einer besonderen Kompetenz im Bereich der Planung und Erstellung von Sozialimmobilien, insbesondere Altersheimen, geworben. Tatsächlich ist erst Ende 2011 ein derartiges Objekt in Salzweg bei Passau wohl fertig gestellt worden, also nach über 10 Jahren der Geschäftstätigkeit der GRE AG. Die übertrieben positive Darstellung der bisherigen Geschäftstätigkeit hatte das OLG Dresden als schadensersatzbegründenen Prospektfehler angesehen und einer Vielzahl von Anlegern rechtskräftig Schadensersatz zugesprochen. „Unsere Mandanten der ersten Klagewelle sind überwiegend noch bezahlt worden – für die jetzt noch beteiligten Anleger sehe ich dagegen kaum Aussichten, im Insolvenzverfahren Geld zu bekommen“, meint Röhlke. Gleichwohl sollten die Ansprüche zur Insolvenztabelle angemeldet werden.

Betroffen sind vor allem Kleinanleger, denen die Investition als zusätzliche Altersvorsorge mit besonderer Sicherheit empfohlen wurde. Diese Anleger laufen nun Gefahr, ihr eingesetztes Vermögen vollständig zu verlieren. Für stilles Beteiligungskapital gibt es keinerlei gesetzliche Sicherungssysteme. Das eingesetzte Geld wird zum Eigenkapital des Beteiligungsunternehmens und geht im Insolvenzfall mit in die Insolvenzmasse. Röhlke weist allerdings darauf hin, dass möglicherweise noch andere Ansprüche bestehen: „Wir haben bereits erfolgreich die Vorstände der GRE AG wegen vorsätzlicher Prospektbetrügerei gerichtlich zu Schadensersatz verurteilen lassen. Diesen Weg werden wir für unsere Mandanten mit aller Konsequenz weiter verfolgen. Derzeit prüfen wir noch die Verantwortlichkeit weiterer Prospekthintermänner.“

Röhlke empfiehlt betroffenen Anlegern dringend, einen spezialisierten Rechtsanwalt aufzusuchen und die Ansprüche zur Insolvenztabelle anzumelden.

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Über RA Christian Röhlke

Röhlke Rechtsanwälte haben ihre Kernkompetenz im Bereich des Kapitalanlagenrechts und der angrenzenden Gebiete des Zivilrechts, insbesondere im Handels- und Gesellschaftsrecht. Kapitalanlagenrecht Hauptsächlich werden Anleger im Bereich unrentabler stille Beteiligungen oder steuerbegünstigter Immobilienfonds betreut. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Kleinverdienern, denen vermietete Eigentumswohnungen zur Altersvorsorge als "Immobilienrente" schmackhaft gemacht wurden. Handelsrecht Ein wesentlicher Tätigkeitsschwerpunkt ist auch das Recht der Handelsvertreter, die Regelungen über Provisionen, Buchauszüge, Wettbewerbsverbote etc.